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Donnerstag, 6. Mai 2021

Sonntagsworte am 5. Ostersonntag

Johannes 15,3-4


„Ihr seid schon rein Kraft des Wortes das ich zu euch gesagt habe. 
 Bleibt in mir und ich bleibe in Euch.“


 Gott macht den ersten Schritt. Er ist es, der eine tiefe und innige Beziehung zu uns Menschen will. Der größte Liebesbeweis, den er uns gab, war die Menschwerdung Jesu, seines Sohnes. Jesus hat nicht nur die Vollmacht, Gottes Wort zu verkünden, er ist auch eins mit seinem Vater. Das Hören der Worte Jesu ist unser Schritt in die Beziehung mit Gott. Wenn wir unser Herz, unser Dasein, ja unser Leben für Jesus öffnen und ihn annehmen als Gottes Sohn, dann ist das unser Liebesbeweis... dann werden wir eine Ahnung davon bekommen, wie es sein kann, eins zu sein mit Gott.


Martina Gerl

Freitag, 2. April 2021

Sonntagsworte am Karfreitag

Jesaja 52,13-15 

Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben. Er wird sich erheben und erhaben und sehr hoch sein. … , so wird er die Nationen entsühnen, Könige schließen vor ihm ihren Mund.

 

Die überarbeitete Einheitsübersetzung legt hier eine Spur ins heute. Es klingt weniger abgeschlossen und berichtend, es verdeutlicht, dass das Geschehen schon damals nicht als geschichtlicher Erklärungsbericht gelesen wurde, sondern seine Bedeutung für das Leben jetzt entfaltet. Und es bewegt die Menschen zu reagieren. Und zu handeln.

Marcus Tannebaum



Donnerstag, 1. April 2021

Sonntagsworte am Gründonnerstagabend

 Joh 13,1-15 (Gründonnerstag)

„Es fand ein Mahl statt und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Judas Ischariot, schon ins Herz gegeben, ihn auszuliefern.“ (Joh 13,2)

 

Foto: Regina Nothelle

Die Neuübersetzung korrigiert tatsächlich einen bisherigen Fehler; es heißt nicht mehr „ihn zu verraten und auszuliefern“ (verraten war die falsche Übersetzung), sondern nur noch „auszuliefern“. Da lese ich eine andere Rolle des Judas heraus: Wenn von Verrat die Rede ist, dann ist damit Judas eine Person „des Teufels“, die Jesus aus niederträchtigen und rachesüchtigen Gründen verrät. Was aber ist das für ein Heisplan Gottes und was für ein Gott, der sich der Niederträchtigkeit eines Menschen bedient, um erfüllt zu werden?

Wenn das aber nicht wirklich plausibel ist und nun auch durch die neue Übersetzung sprachlich geändert ist - was könnte dann Judas‘ Intention sein, Jesus auszuliefern? Will er Jesus zwingen, seine Botschaft vor anderen (politischen und religiösen) Instanzen zu plausibilisieren? Und geht das dann schief? Anders, als Judas es gedacht hat? Deswegen sein Selbstmord?

Fragen über Fragen, aber keine Antworten …


Ursula Nothelle-Wildfeuer

Dienstag, 2. März 2021

Sonntagsworte am 3. Fastensonntag

Joh 2,13-25

 15 Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern; das Geld der Wechsler schüttete er aus, ihre Tische stieß er um 16 und zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! 17 Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht: Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren.“



Irgendwann ist das Maß voll, „läuft die Galle über“, wie man landläufig so sagt. Die neue Übersetzung „wird mich verzehren“ statt „verzehrt mich“ betont diesen Moment des „jetzt reichts“. Genau so scheint es Jesus hier auch gegangen zu sein: Als er das Treiben der Händler und Geldwechsler sieht, die das Haus seines Vaters verwandeln in eine Markthalle (bei den Synoptikern ist die Rede von der Räuberhöhle), entbrennt sein heiliger Zorn. Und auch für uns heute hat das eine Bedeutung: Wenn die Markthalle der Ort wird, wo Menschen übers Ohr gehauen werden, wo der maximale Gewinn zählt, ohne Rücksicht darauf, wie dieser Gewinn zustande kommt, wo sie nicht das Lebensnotwendige haben, wenn der berechtigte Eigennutz zum schädlichen Egoismus wird, dann nimmt diese Markthalle den Charakter einer Räuberhöhle an, in der Menschen Schaden zugefügt und ihre Würde verletzt wird – und dann ist es auch unsere Aufgabe als Christinnen und Christen, uns engagiert gegen solch ein „business as usual“ einzusetzen, denn zu viel ist zu viel.

Dagegen haben wir Christen und Christinnen „Geschwisterlichkeit“ zu setzen, das Prinzip, das Papst Franziskus in seiner neuen Enzyklika Fratelli tutti stark gemacht hat.

Ursula Nothelle-Wildfeuer

Sonntag, 21. Februar 2021

Sonntagsworte am 1. Fastensonntag

Sonntagsworte

Nun schon im dritten Lesejahr hören wir die Worte aus der Bibel sonntags aus neuen Büchern: seit 2016 versucht die neue Einheitsübersetzung einfühlsamer und in modernerer Sprache die biblischen Bilder deutlicher zu machen. Manchmal ist es nur ein Wort, so dass man schon genau hinhören muss. Manchmal erschließt sich daraus auch ein neuer Blick auf eine schon oft gehörte Stelle.
In den vergangenen zwei Jahren haben wir im Seelsorgeteam in jedem Dienstgespräch ein dafür hilfreiches Buch gelesen: „Sonntagsworte“ waren ein exemplarischer Blick in eine der sonntäglichen Lesungen: ein neuer Vers mit kursiv betonter Veränderung (, die alte Formulierung hatten wir immer dazu heraus gesucht), dazu zwei kurze Sätze Nachdenkliches und ein passendes Fotomotiv. (Bei Interesse sind die beiden vergangene Bücher gerne bei mir auszuleihen).

Leider hat das Bibelwerk für das dritte Lesejahr keine entsprechende Veröffentlichung realisieren können – es fehlt uns da etwas im Seelsorgeteamdienstgespräch.

So kam die Idee, dass wir vielleicht gemeinsam mit aus in Gottesdiensten Engagierten und weiteren Interessierten doch vielleicht selbst diese kurzen Impulse schreiben und gestalten und nicht nur im Seelsorgeteam hören, sondern auch der ganzen Gemeinde zur Verfügung stellen könnten. 


(Die Änderungen oder neuen Formulierungen der Neuen Einheitsübersetzung 2016 sind kursiv dargestellt)

 


Genesis 9,9-10

Ich bin es. Siehe, ich richte meinen Bund auf mit euch und mit euren Nachkommen nach euch …  und allen Wildtieren der Erde bei euch, mit allen, die aus der Arche gekommen sind, mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.



Gott richtet den Bund auf – das Zeichen des Regenbogens in den Wolken ist sinnbildlich dafür geprägt und auch heute ein Zeichen Gottes allumfassender Gerechtigkeit – über enge Grenzen von menschlichen Vorstellungen hinweg. ER richtet den Bund auf – mit ALLEN, mit Wildtieren, die sich unserer berechnenden Kontrolle entziehen. Sein Bund mit uns ist uns unverbrüchlich gegeben – aber die Menschen, die religiösen wie die unreligiösen, die mächtigen wie die ohnmächtigen, stehen gleich in Demut vor der Natur und ihrer Gewalt, die sie nicht kontrollieren können. Erst in diesen Tagen scheinen wir wieder unsere Verantwortung dafür – und auch füreinander – zu entdecken.

Marcus Tannebaum

Montag, 1. Juni 2020

Pfingstprojekt - die Apostelgeschichte hören ...

Im Katholischen Seelsorgebereich Sankt Augustin versehen viele Frauen und Männer den Dienst als Lektor*in in den Gottesdiensten ... einige haben die ersten neun Kapitel der Apostelgeschichte für uns aufgenommen und in unseren YouTube-Kanal gestellt.
Und vielleicht kommt noch mehr zusammen?

Wenn es freie Zeit bei Euch gibt, dann nehmt Euch doch in diesen Pfingsttagen die Zeit das Original nachzuhören:

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6 & 7



Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Samstag, 11. April 2020

Frohe Ostern!


Ostern 2020 – auch in Zeiten des Kontaktverbotes


Jedes Jahr wird Ostern neu. Die Welt beginnt zu blühen. Ganz zart. Vielleicht nehmen wir das selten so aufmerksam wahr wie in diesen Tagen, die von einem Virus bestimmt sind. Mehr bestimmt sind, als wir uns es von irgendeiner politischen Macht allein hätten vorstellen können.

Jedes Jahr hören wir einen anderen Evangelisten, wie er von Tod und Auferstehung berichtet. Auch wenn es sich nach drei Jahren wiederholt: wir sind jede*r an einer ganz anderen Stelle in unserem Leben. Wie bemerkenswert es Matthäus erzählt, geht mir in diesem Jahr ganz neu auf:


Es geschah ein gewaltiges Erdbeben … ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab… wälzte den Stein weg und … sagte: Fürchtet euch nicht! Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten um die Botschaft zu verkünden. (Mt 28)

Ein Erdbeben – eine Naturkatastrophe, die uns Menschen völlig hilflos den sicheren Boden unter den Füßen nimmt. Auch mit vielen Untersuchungen und Berechnungen lässt es sich nicht kontrollieren. Immer wieder hat es in der Geschichte schreckliche Spuren hinterlassen.
Die Lungenkrankheit Covid19 wirkt auch wie eine solche Naturkatastrophe. Sie entzieht sich der Kontrolle und trifft uns unvorbereitet. Sie hat schon jetzt gewaltige Spuren hinterlassen. Und wir wissen noch nicht, wo es hingeht.

Das Erdbeben, von dem uns die Ostergeschichte erzählt, hat eine viel größere Wirkung auf die Menschen am Grab. Sie gehen mit Furcht und mit großer Freude weg. Eine seltsame Kombination. Vielleicht aber auch eine Osterspur für uns heute? Furcht ist keine namenlose Angst, Furcht ist vernünftig und lebenswichtig. Wir können alle viel dafür tun, damit der Schrecken der Krankheit eingedämmt wird. Und Freude entdecken: ich sehe Mutmachendes, Solidarität, Mitmenschlichkeit, Energie, Kooperation, Aufmerksamkeit, wo der Alltagsstress und die Reserviertheit uns zuvor vereinzelt hat … natürlich auch Anderes. Sicher werden viele Menschen Furcht haben, auch Sorgen, die Perspektiven sind nicht klar. Manches können wir nur aushalten. Und Krisen bringen das Beste und auch das Schlechte in Menschen hervor. Aber ich bin überzeugt: das Gute überwiegt, und es trägt. Es gibt Hoffnung, berechtigte kleine Freuden, Dankbarkeit. Und es wird wieder gut werden.

Wir dürfen, ja wir müssen Ostern feiern – in unseren Wohnungen, in unserem Alltag, so, wie er gerade ist. Wir dürfen Hoffnung haben und Furcht und Freude ihren Platz geben. Vor Jahren hat Hanns Dieter Hüsch einen Segen formuliert, den ich uns als Osterwunsch für dieses Jahr umformuliere:


Im Übrigen meine ich möge uns der Herr wieder zu den Gärten der Geduld führen – Geduld brauchen wir in diesen Tagen. Und uns mit Großzügigkeitsgirlanden schmücken – die sieht man immer besonders gut. Er möge uns weiterhin lehren das Kreuz von Karfreitag als Krone zu tragen, nicht nur am Osterfeiertag. Soll doch seine Liebe zu allen Menschen unsere Liebe sein – und dass wir seine Liebe durch andere spüren. Er möge in unser Herz eindringen um uns mit seinen Gedankengängen zu erfrischen und den Rücken zu stärken, wenn es uns schwer wird. Und jeder soll es sehen und ganz erstaunt sein, dass Gottes Kinder so leicht und fröhlich sein können. Und sagen: Donnerwetter! Jeder soll es sehen und sagen: er habe Gottes Kinder gesehen und die seien ungebrochen freundlich und heiter gewesen – auch in dieser Zeit.


Ich wünsche Ihnen auch im Namen des Seelsorgeteams
aus tiefster Überzeugung: Frohe Ostern!


- Nach diesem 28. täglichen Beitrag seit dem 15.3., dem Tag des Verbots
öffentlicher Gotttesdienste pausiert dieser blog nun für eine gute Woche
-

Freitag, 10. April 2020

Karfreitag - Ein Zitat, ein Hinweis, ein Kreuzweg für Kinder


"Wenn wir wirklich Christen sein wollen, muss, müsste die Karwoche eine Zeit sein, in der wir in besonderer Weise teilnehmen an der Passion Jesu. Dies geschieht nicht in erster Linie in frommen Gefühlen, sondern in der schlichten, nüchternen Tapferkeit ohne Aufsehen, mit der wir uns und die Mühsal unseres Lebens annehmen und durchtragen. Gerade dies steht in einem glaubenden Bezug zur Passion des Herrn, indem wir verstehen, dass unser Leben Teilnahme an seinem Schicksal ist."


Heute als Post an diesem stillen Tag nur dieses kurze Zitat von Karl Rahner. Vor vielen Jahren aufgeschrieben immer noch und besonders heute aktuell.
Unter katholisch.de gibt es hierzu auch noch eine längere Betrachtung für die, die etwas mehr lesen wollen.
Auch heute gibt es wieder die Liturgie aus St. Martinus für den Seelsorgebereich Sankt Augustin live mit Einspielungen der Lesungen aus vielen Kirchen in Sankt Augustin.

Für Kinder und Familien hat Anne Linden einen Kreuzweg aufgenommen:

Dienstag, 7. April 2020

Zehn Gebote dieser Tage


THE TEN COVID-MENTS
Thou shalt stay home.
Thou shalt not gather in groups.
Thou shalt not panic.
Thou shalt not hoard TP.
Wash thy hands.
Honor thy curfew.
Check on loved ones.
Do not COVID thy neighbor's wife.
Seriously, THOU SHALT STAY HOME .
Thou shalt make the best of it.
— God (@TheTweetOfGod) March 20, 2020

Montag, 6. April 2020

"Die Dornenkrönung": Im Leiden wird Jesus zum Inbegriff des Menschen

Corona als Strafe Gottes? Im Gegenteil: Der mit Dornen gekrönte Gottessohn zeigt uns einen mit-leidenden Gott – einen Gott, der durch sein Leiden und Sterben den Menschen seine unverbrüchliche, niemals endende Treue und Liebe beweist

Florentine / pixelio.de





In früheren Jahrhunderten haben Christen einen etwas anderen Kreuzweg gebetet: Sieben Stationen gab es, und bei der zweiten Station ging es um die Dornenkrone. Unser Kreuzweg heute kennt sie nicht mehr. Wohl aber die Evangelien – außer Lukas – und fast alle Darstellungen der Kreuzigungsszene.
"Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um. Sie stellen sich vor ihn hin und sagten: Heil dir, König der Juden!" (Joh 19,2). Genau. Erst dadurch wird der Kranz zur Krone – zu einem der Insignien, der Zeichen des verspotteten und verhöhnten Königs der Juden. Der Kontext macht den Kranz zur Krone.

Die Krone, der Kuss, das Händewaschen: eine ganze Reihe von Begriffen wird bei der Passion Jesu in ihr Gegenteil verkehrt: Mit einem Kuss verrät Judas Ischariot seinen Herrn an die Soldaten und Gerichtsdiener der Hohenpriester und der Pharisäer – ein Zeichen der Freundschaft und der Zuneigung wird zum Zeichen für Verrat und läutet den Weg zum Tod ein. Petrus, der, als alle anderen Jünger bereits geflohen sind, noch in der Nähe Jesu bleibt – eigentlich ein Zeichen der Verbundenheit – verleugnet ihn: Nein, diesen Menschen kenne ich nicht. Pilatus wäscht sich seine Hände und erklärt vor dem Volk seine Unschuld am Tod dieses Menschen – ein symbolischer Akt, der für Reinheit und im übertragenen Sinn für Wahrheit steht, wird in sein Gegenteil verkehrt, denn er ist es, der das Urteil über Jesus fällt und damit einen Unschuldigen dem grausamen Kreuzestod ausliefert. Und schließlich: eine Krone als Zeichen für Würde und Macht wird, geflochten aus Dornen, zum Signum für Erniedrigung, Verachtung und Entwürdigung, Spott, Hohn, Folter und Tortur, wird zum Vorgriff auf das, was das Kreuz als Skandal, als Demütigung, als grausame Hinrichtungsart bedeutet.

Der Sohn Gottes stirbt nicht als Held
Im Johannesevangelium heißt es in der Verurteilungsszene weiter: "Jesus kam heraus, er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, da ist der Mensch" (Joh 19,5). "Ecce homo". Nicht als König, als Machthaber, nicht als Herrscher mit politischer Gewalt ausgestattet, sondern als das völlige Gegenteil, als würdeloser, entrechteter, völlig verlassener Mensch steht Jesus da. Mit der Dornenkrone und dem Purpurmantel, im Leiden und später vollends im Elend des Sterbens am Kreuz ist er zum Inbegriff des Menschen schlechthin geworden, er, von dem die Christen zugleich glauben, dass er der Sohn Gottes ist. Eigentlich eine Ungeheuerlichkeit! Der Sohn Gottes, ja Gott selbst, der sich vollends unterscheidet von dem "unbewegten Beweger", wie ihn die Philosophie des Theismus gedacht hat, ein Gott, der nicht als Held stirbt, nicht würdevoll und stoisch, selbstbewusst aus der Welt scheidet, sondern ein Gott, der schon mit der Dornenkrone als Karikatur eines Königs Ungerechtigkeit, Grausamkeit, Elend und Trostlosigkeit selber durchlebt.

Der mit Dornen gekrönte Gottessohn, der in allem, was er ist und tut, ganz auf seinen Vater verweist, zeigt uns auch nicht einen Gott, der auf böses und falsches Denken und Tun der Menschen reagiert mit Sühneforderung, Strafe und Rache, sondern einen Gott, der durch den Tod seines Sohnes genau eine solche menschlich erdachte Ordnung durchbricht, der durch sein Leiden und Sterben den Menschen seine unverbrüchliche und niemals endende Treue und Liebe beweist. Ist es dann aus der Perspektive des Ecce homo nicht eine Ungeheuerlichkeit, wenn einige heute ernsthaft darüber nachdenken, dass Corona eine Strafe Gottes in unserer Zeit sei, sein pädagogisches Bemühen, die Menschen doch noch zu einem Wohlverhalten zu bringen? Ecce homo – seht da der Mensch, der bei den nahezu unzähligen elendig Sterbenden in Bergamo ist, der in den Alten- und Pflegeheimen ist, in denen sich das Virus so schnell ausbreitet, der bei den Ärzten und Pflegekräften ist, die sich unter teilweise fürchterlichen Bedingungen rund um die Uhr für die Erkrankten einsetzen und die Entscheidungen fällen müssen, die sie überhaupt nicht fällen wollen und können, der aber auch bei denen ist, denen aufgrund der staatlich verfügten Maßnahmen die existentielle Grundlage wegbricht oder das Dach auf den Kopf fällt, der aber auch bei den Flüchtlingen ist, die unter unsäglichen Bedingungen in den Lagern an den Grenzen der Türkei, Griechenlands und Syriens leben müssen. Mit dem Ecce homo verstehen wir die Corona-Pandemie nicht, aber wissen einen mit-leidenden Gott an unserer Seite und besonders an der Seite all derer, die diesem Leid heute ausgesetzt sind.

Ursula Nothelle-Wildfeuer
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Dieser Beitrag ist Teil einer Serie auf katholisch.de:Der Kreuzweg vor dem Hintergrund der Corona-Krise – Station 2
Alle Beiträge findet Ihr hier. 

Sonntag, 5. April 2020

... erbebte die ganze Stadt ...


Am Anfang der Heiligen Messe haben wir die Palmzweige gesegnet. Der Evangelist Matthäus erzählt uns, dass damals die Menschen ihre Kleider auf den Weg ausgebreitet haben und Zweige auf den Weg gestreut haben als Jesus nach Jerusalem kam. Und sie riefen: Hosanna, dem Sohne Davids!

https://www.youtube.com/watch?v=sA_5Vp0N044

Neu heißt esin der Einheitsübersetzung: Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser?

Normalerweise hätten sich die Gemeinden heute außerhalb der Kirchen getroffen. Z.B. an der Antoniuskapelle, die wir im Rahmen der Leseabschnitte der Passion auch gesehen haben, an einem Wegekreuz oder ähnlich.  Gemeinsam ziehen sonst dann Kinder, Erwachsene, Ältere mit bunten Zweigen in die Kirche. Das scheint mir mit dem Aufruhr, der Aufregung, den Fragen und der Geschäftigkeit die es dabei gibt und der Freude wie aus der Zeit gefallen. Gibt es auch ein stilles Erbeben?

Bei Matthäus ist dieses Erbeben oder sogar ein Erdbeben ein Zeichen der Nähe Gottes. Es begegnet wieder, wenn er später von der Auferstehung berichtet. Wir haben heute vom Menschensohn, von Jesus dem Menschen wie wir gehört, bis zu seinem Ende am Kreuz. Die Heilige Woche, die Karwoche, geht jetzt noch einmal zurück. Es wird Ruhe in der Stadt. Ruhe erleben wir auch in unserer Stadt, für manche vielleicht auch schon zu viel. Auch in vielen anderen Städten ist es heute so und auch in der Stadt, aus der uns der Evangelist erzählt, in der Heiligen Stadt Jerusalem.

In unseren Schaukästen haben wir ein Plakat, worauf steht, was alles NICHT ausfällt in dieser Zeit, was man trotzdem tun kann, auch in dieser besonderen Situation. Konkret heute an diesem Sonntag aber ist es schmerzlich, dass die Kollekte für das Heilige Land ausfällt. Für die Christen, die in Jerusalem, Palästina und Israel leben, ist diese aber wichtig. Davon werden Kinderheime, Schulen und z.B. das Caritas Baby Hospital inBetlehem unterstützt. Und das ist nicht nur für Christen, sondern für alle dort, auch für Muslime sehr wichtig.

Eines der stärksten Bilder, das ich in diesen Tagen in den Medien gesehen habe, ist das Bild von einem Rettungswagen in Israel, von der Organisation Magen David Adom, vergleichbar mit dem Roten Kreuz oder den Maltesern bei uns,  mit einem rot gemalten Davidsstern drauf. Sie sehen es ganz oben in diesem Beitrag. In einem Augenblick steht der Wagen, und die beiden Männer, die diesen Wagen fahren, die für die Menschen da sind, beten. Der eine, als Jude, in die eine Richtung mit seinem Gebetsschal, der andere, als Muslim, auf seinem Gebetsteppich in die andere Richtung. Sie beten beide. Sie helfen gemeinsam den Menschen.

Die Menschen dort im Heiligen Land brauchen unsere Unterstützung.
Deswegen möchte ich sie hinweisen auf die www.palmsonntagskollekte.de und sie bitten zu überlegen, ob sie auf diesem Weg die Menschen im Heiligen Land unterstützen können.

Und auch in unserer Stadt, die das „Heilig“ im Namen trägt, in Sankt Augustin, brauchen Menschen Unterstützung. Brauchen  Solidarität miteinander – mit allem, was heute möglich ist. Viele Netzwerke haben sich gebildet um zu helfen, dort, wo Menschen vielleicht besser nicht aus dem Haus gehen sollten, dass ihnen Einkäufe gebracht werden, wo Menschen einsam sind, reden möchten, vielleicht telefonieren können, dass man miteinander im Kontakt bleibt. Viele Beispiele gibt es da, die wir auf unserer Homepage ja auchsammeln – und auf der Homepage der Stadt natürlich auch.


Wenn wir so solidarisch miteinander sind, 
wenn wir so Palmsonntag, die Heilige Woche und Ostern feiern,  
dann ist das auch ein besonderes Erbeben.
Zeichen der Nähe Gottes.

Freitag, 3. April 2020

„Leere“


Die Kirchen sind leer. Die Gemeinde fehlt. Wie ungewohnt. Die sonntägliche Eucharistie fehlt uns allen. 
Leere Kirche, mit Vorbereitung für den Palmsonntag Live-Stream
 Aber die Kirchen hier in Sankt Augustin sind nicht nur leer. Sie sind auch offen. Tagsüber. Jeden Tag. Auch das ist erstmal ungewohnt. Man kann das tragisch finden und bedrückend, wenn man hinein geht. Man ist ganz alleine (oder auch nicht alleine, weil man mit Partner*in oder den Kindern hinein geht) in der Kirche, die auf einmal groß und leer und einsam wirkt. Besonders jetzt mit den verhüllten Christusdarstellungen, könnte man sich einsam fühlen.
Das muss man aber nicht. Wir können versuchen den Wert einer leeren Kirche neu zu entdecken. Die Kirche ist nicht einsam und leer, sondern sie ist persönlich. Für den Moment wo wir alleine in der Kirche sind, ist es unsere Kirche. Sie gehört da gerade uns selbst und das ist eine ganz neue Erfahrung.
Ich war heute in der Kirche mit den Kindern eine Kerze aufstellen und beten. Während die Kinder sich noch in ein paar Winkeln umgeguckt haben, habe ich in der Bank gekniet und gebetet. Nach dem Gebet dachte ich mir, was für ein besonders verbundener Moment es ist, alleine in der Kirche zu sein. Die Kirche ist mir von unzähligen Gottesdiensten so vertraut, aber so für mich selbst hatte ich sie noch nie. Dieser Perspektivwechsel war herrlich erfrischend.

Lasst uns doch gemeinsam die leeren Kirche als Chance begreifen uns ganz neu mit der Kirche zu identifizieren, sie ein Stück weit noch mehr zu UNSERER Kirche zu machen. Vielleicht sollten wir, nachdem wir eine Kerze aufgestellt oder gebetet oder beides getan haben, noch ein bisschen sitzen bleiben, uns besinnen, uns umgucken oder in der Bibel lesen. Verbinden wir uns mit der Kirche, nutzen wir die Krise als Chance und nutzen wir die Möglichkeiten, die wir jetzt neu haben.
Ich werde das nächste mal eine Bibel mitnehmen oder meine Bibel-App auf dem Handy nutzen, um ein bisschen zu lesen und einfach in diesem Gebäude zu sein und die hell erleuchteten Fenster zu betrachten. Tut es mir gleich und vielleicht finden wir so einen wunderbaren Moment der Ruhe und der Geborgenheit in einer nur fast ganz leeren Kirchen.

Fabian Gäb