Sonntag, 16. Dezember 2018

…NUR DAS TRAUTE HOCHHEILIGE PAAR…

200 Jahre Stille Nacht – Heilige Nacht

Die Redaktion des Pfarrbriefes in Troisdorf (www.trokirche.de) hat ihre Weih­nachtsausgabe mit nachdenklichen Beiträgen aus heutiger Zeit zu den einzelnen Teilen der berühm­ten ersten Strophe entfaltet. Die AutorInnen und der Zeichner haben sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt:


Juan Francisco González, 2018



Immer wieder ist es das sanft lächelnde Gesicht der Maria und die gutmütig geduldige Haltung des Josef, die es mir beim näheren Betrachten von Krippenfiguren schwer macht, mich zu entscheiden zwischen friedvoller Weihnachtsstimmung oder genervtem Augenverdrehen. Echt jetzt? So gechillt? Mit frischem, schreienden Säugling (erstes Kind, wohlgemerkt, keinerlei Übung), leicht ungeklärten Vaterschaftsfragen, einem Beziehungsstatus, der auch nicht so einfach zu beschreiben ist – aber wir singen vom trauten, hochheiligen Paar. Wenn das mal nicht Druck ausübt auf den ganz normalen Familienwahnsinn unterm Weihnachtsbaum…
Manchmal ist es gerade an Weihnachten so, dass unser Familienleben so gar nicht friedlich und harmonisch, geschweige denn heilig ist. Gerade vor und an den Festtagen geht es hoch her, wir geraten in Stress, müssen uns um vieles kümmern, Essen vorbereiten, letzte Geschenke verpacken, aufräumen für den Besuch… Für Zeit zu zweit bleibt da gar kein Raum. Eigentlich ist es so kein Wunder, dass Paare an Weihnachten besonders oft aneinandergeraten. Die Messlatte liegt hoch an diesem Fest des Friedens. Unsere eigenen Erwartungen setzen uns unter Druck, so dass wir versuchen, eben diese Postkartenidylle zuhause herbeizuzaubern. Und
plötzlich ist die Kommunikation unterirdisch, weil der Stress uns so mitnimmt.
Da kann es hilfreich sein, das Hamsterrad kurz anzuhalten. Wie reden wir miteinander? Schaffen wir es, statt Vorwürfen Wünsche zu formulieren? Was erhoffen wir uns für unsere Beziehung? Haben wir genug Freiraum und auch genug Gemeinsamkeiten? Wie versöhnen wir uns eigentlich? Haben wir einen gemeinsamen Sehnsuchtsort in unserer Erinnerung? Ein kleiner Ausflug dahin lässt zwar den Wäscheberg vor den Feiertagen nicht kleiner werden und den Fußboden nicht weniger klebrig, aber die Verbundenheit größer – und vielleicht lächeln wir plötzlich so wie Maria und Josef und sehen mit Stolz und Liebe auf unseren gemeinsamen Weg.

Daniela Ballhaus

UND WENN ES MAL TIEFER GEHEN SOLL:
Kath. Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen
Wilhelmstraße 74, Siegburg, Tel. 022 41 - 5 51 01
www.zeitzuzweit.info  Homepage der Ehepastoral mit Angeboten für Paare
www.epl-kek.de  Gesprächstraining für Paare
Gottesdienst für Paare Freitag, 15. Februar 2019, 19:30 Uhr, St. Hippolytus

Donnerstag, 13. Dezember 2018

… ALLES SCHLÄFT, EINSAM WACHT…


200 Jahre Stille Nacht – Heilige Nacht
Die Redaktion des Pfarrbriefes in Troisdorf (www.trokirche.de) hat ihre Weih­nachtsausgabe mit nachdenklichen Beiträgen aus heutiger Zeit zu den einzelnen Teilen der berühm­ten ersten Strophe entfaltet. Die AutorInnen und der Zeichner haben sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt:

Juan Francisco González, 2018

Als TelefonSeelsorger bin ich einsam in meinem stillen Büro und doch fühle ich mich gleichzeitig als Teil eines Netzwerkes von über 7000 Frauen und Männern, die diesen Dienst in Deutschland an über 100 Orten tun.

Wenn ich um 2:30 Uhr in der Nacht ein Gespräch annehme, dann bin ich alleine der Mensch, der der Anrufer*in ein echtes Gegenüber und eine wohltuende Begegnung sein kann. Je nach Thema lastet dann auch etwas auf mir, das ich aushalten und sortieren muss – für die Anrufer wie für mich. In den Supervisionen und Fortbildungen mit den Kolleg*innen habe ich da aber Rückhalt und stärkende Gemeinschaft – und lerne immer wieder Neues über mich selbst. In den Gesprächen selbst ist natürlich auch nicht immer nur Schweres, es darf auch Freude und Lachen geben. Ein gelungenes Gespräch tut beiden Seiten gut!
Ich weiß in dieser Nacht aber nicht nur um meine persönlichen Grenzen, sondern auch, dass zeitgleich mit mir in ähnlichen Räumen um die hundert Andere sitzen, die sich dafür Zeit nehmen. Ich bin nur einer von denen, die „wachen“. In meiner Nacht sitze ich dann im mir so vertraut gewordenen Telefonzimmer mit dem Schreibtisch und einigen Unterlagen, oft einer Kerze und meist Kaffee. Durch die Jahreszeiten hindurch staune ich in den Gesprächspausen über den Baum vor dem Fenster, der den Kreislauf des Lebens im Jahr abbildet und eine unglaubliche Kraft und Ruhe ausstrahlt. Ich kann es mir angenehm machen, aber nie weiß ich, was bis zur Morgendämmerung durch den Telefonhörer zu mir kommen wird. Jedes Klingeln – über vierzigmal in 24 Stunden – ist eine Ungewissheit. Berührend kann es sein, wenn ich schon mit einem kleinen „Hallo“ Menschen an ihrer Stimme wiedererkenne. Viele Anrufende melden sich nicht zum ersten Mal. Manche begleite ich über Jahre und Lebensphasen. Mehrere Stunden wird in jeder Schicht telefoniert, über den ganzen Tag gesehen um die 14 Stunden.
„Alles schläft“ stimmt also nicht ganz, wenn hunderte anrufen – jede Nacht. „Einsam wacht“ ist relativ, wenn ich über Stunden mitfühle, beim Überlegen unterstütze, oft auch abgrenze. Es ist immer wieder ein Aufbruch zum Dienst, aber es sind viele gute und wohltuenden Momente, die ich gerne teile, die mich persönlich berühren und reifen lassen. Ich weiß, für wen ich da wache und „Nachtgesicht“ bin.
                                                                 
TelefonSeelsorge: 0800/111 0 111 | 0800/111 0 222